Impulse für Handwerksunternehmer

Internationales Recruiting im Handwerk: Chance statt Notlösung

Für viele Handwerksbetriebe ist das Thema internationale Fachkräfte mit Unsicherheit verbunden: Wie funktioniert das rechtlich? Klappt die Verständigung? Bleiben die Leute überhaupt? Diese Fragen sind berechtigt. Erfahrungen aus der Praxis zeigen aber, dass internationales Recruiting kein Notnagel sein muss, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil sein kann – vorausgesetzt, der Betrieb ist darauf vorbereitet.

Warum der Blick über die Grenze lohnt

Während der heimische Arbeitsmarkt in vielen Gewerken angespannt ist, gibt es in anderen Ländern gut ausgebildete, motivierte Handwerkerinnen und Handwerker, die eine Perspektive in Deutschland suchen. Wer früh beginnt, Prozesse für die Gewinnung und Integration aufzubauen, sichert sich diese Fachkräfte, bevor es alle anderen tun.

Der rechtliche Rahmen

Mit dem weiterentwickelten Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat Deutschland in den vergangenen Jahren die Wege für qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten geöffnet. Je nach Herkunftsland, Qualifikation und Berufserfahrung kommen unterschiedliche Aufenthaltstitel in Betracht. Für Bürgerinnen und Bürger aus EU-Staaten gilt ohnehin die Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Weil sich die Regelungen im Detail ändern und vom Einzelfall abhängen, empfiehlt sich die Beratung durch die zuständige Handwerkskammer, die Agentur für Arbeit oder spezialisierte Dienstleister. Eine wichtige Rolle spielt häufig die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, für Handwerksberufe in der Regel über die Handwerkskammer.

Typische Schritte

  • Bedarf klären: Welche Qualifikation wird gebraucht, welche Sprachkenntnisse sind realistisch nötig?
  • Kandidaten finden: über Partner im Ausland, Netzwerke, Vermittler oder bestehende Mitarbeiter mit Kontakten.
  • Anerkennung und Visum: Unterlagen zusammenstellen, Verfahren anstoßen, Wartezeiten einplanen.
  • Ankommen organisieren: Wohnung, Behördengänge, Bankkonto, Krankenversicherung.
  • Einarbeitung und Integration: Paten im Team, Sprachkurse, klare Abläufe.

Die häufigsten Stolpersteine

Am häufigsten scheitert internationales Recruiting nicht an Gesetzen, sondern am Alltag. Die neue Fachkraft kommt an, findet keine Wohnung, versteht die Abläufe im Betrieb nicht, fühlt sich allein gelassen – und geht. Erfolgreich sind die Betriebe, die Integration als Teil des Jobs verstehen: mit einem festen Ansprechpartner, mit Unterstützung bei der Wohnungssuche und mit klaren, gut dokumentierten Arbeitsabläufen, die auch ohne perfekte Sprachkenntnisse funktionieren.

Klare Strukturen helfen allen – aber niemandem so sehr wie dem Kollegen, der neu ist und die Sprache noch lernt.

Fazit

Internationales Recruiting ist kein Selbstläufer. Mit Vorbereitung, Geduld und einem Betrieb, in dem Abläufe klar geregelt sind, kann es aber genau die Lücke schließen, die der heimische Markt hinterlässt. Wie Jürgen Hohnen internationales Recruiting in seinem Betrieb nutzt und welche Strukturen dafür nötig sind, ist eines der zentralen Themen seines Buches.

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„Die Fachkräftelüge im Handwerk“ von Jürgen Hohnen – Schluss mit faulen Kompromissen beim Personal: Wie du Mitarbeiter findest und bindest, auf die du dich verlassen kannst.