Eine Fachkraft zu ersetzen, ist teuer. Zu den Kosten für Stellenanzeigen und Bewerbungsgespräche kommen Einarbeitung, Fehler in der Anfangszeit, Mehrarbeit für die Kollegen und im schlimmsten Fall verlorene Aufträge. Jeder Mitarbeiter, der bleibt, ist deshalb bares Geld wert. Trotzdem investieren viele Betriebe deutlich mehr Energie in die Suche nach neuen Leuten als in die Bindung der vorhandenen.
Was nicht hilft
Obstkorb, Tischkicker, Firmenshirt – gegen solche Gesten ist nichts einzuwenden. Sie ersetzen aber nicht das, was Mitarbeiter im Kern erwarten. Wer jeden Tag auf eine schlecht vorbereitete Baustelle fährt, dem hilft auch der Obstkorb nicht.
Was wirklich zählt
Verlässlichkeit
Menschen möchten wissen, woran sie sind. Pünktliche, faire Bezahlung, planbare Arbeitszeiten, Zusagen, die eingehalten werden. Verlässlichkeit klingt unspektakulär, ist aber das Fundament jeder Loyalität.
Eine Arbeit, die gelingen kann
Gute Handwerker sind stolz auf ihre Arbeit. Nichts frustriert sie mehr, als wenn ihnen die Rahmenbedingungen gute Arbeit unmöglich machen: fehlendes Material, unklare Aufträge, ständige Planänderungen. Ein Betrieb mit sauberer Arbeitsvorbereitung bindet Mitarbeiter, ohne es extra zu betonen.
Verantwortung und Vertrauen
Wer immer nur ausführen darf, sucht sich irgendwann einen Ort, an dem er mitgestalten kann. Mitarbeiter, die eigene Projekte, Kunden oder Teams verantworten, identifizieren sich mit dem Betrieb. Voraussetzung ist ein Chef, der loslassen kann – und klare Regeln, innerhalb derer Freiraum möglich ist.
Perspektive
Vom Azubi zum Gesellen, vom Gesellen zum Obermonteur oder Meister: Sichtbare Entwicklungswege zeigen, dass sich Bleiben lohnt. Wer weiß, wohin es gehen kann, wechselt nicht beim ersten Angebot eines Wettbewerbers.
Wertschätzung im Alltag
Ein ehrliches „Das war gute Arbeit“ auf der Baustelle wirkt oft mehr als jede Prämie. Wertschätzung zeigt sich auch darin, dass Probleme ernst genommen und Vorschläge umgesetzt werden.
Über den Betrieb hinaus denken
Gerade für junge Leute oder Fachkräfte, die aus anderen Regionen oder Ländern kommen, ist der Arbeitsplatz nur ein Teil der Entscheidung. Wohnung, Anbindung, Ankommen in einer neuen Umgebung – wer hier unterstützt, verschafft sich einen Vorsprung, den kein Stellenportal liefern kann.
Fazit
Mitarbeiterbindung ist kein Projekt, das man einmal erledigt. Sie ist das Ergebnis vieler Entscheidungen im Alltag – darüber, wie ein Betrieb organisiert ist und wie er geführt wird. Die gute Nachricht: All diese Entscheidungen liegen in der Hand des Unternehmers. „Die Fachkräftelüge im Handwerk“ zeigt, wie man sie trifft.
„Die Fachkräftelüge im Handwerk“ von Jürgen Hohnen – Schluss mit faulen Kompromissen beim Personal: Wie du Mitarbeiter findest und bindest, auf die du dich verlassen kannst.